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INTERVIEW MIT SCHWARWEL ZU SEINEM NEUEN KARIKATUREN-BUCH „DIE ALTERNATIVE ZU FAKTEN” – VÖ: MÄRZ 2017

„Die Alternative zu Fakten – Karikaturen & Cartoons 2017“
Neuveröffentlichung (VÖ: März 2017)

Interview mit Schwarwel

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Was ist die Aufgabe eines Karikaturisten und trägt er mit seinen Karikaturen auch eine Verantwortung für die Gesellschaft, die Meinungs- und Pressefreiheit und die demokratische Grundordnung?

Schwarwel: Ein Karikaturist macht Karikaturen. Eine Aufgabe hat er dabei meiner Ansicht nach nicht außer seiner Selbstbeauftragung. Das ist ja kein Ausbildungsberuf. Inwieweit sich der Karikaturist dabei mit gesellschaftlichen Belangen befasst, muss er selbst wissen und entscheiden – auch und gerade bei Auftragsarbeiten. Manchen liegt sowas, anderen eher nicht.
Ich selbst mache Auftragskarikaturen zum Beispiel nur, wenn ich dabei absolut freie Hand habe und meine eigene Aussage zu hundert Prozent durchkommt und ich die gemachte Grundaussage vollkommen vertreten kann. Alles andere wäre ein Eigentor, weil die meisten Leute ja keine Unterscheidung treffen können zwischen Fremdarbeiten und Eigenbeauftragung – steht ja überall die gleiche Signatur drunter.
Verantwortung trägt ein Karikaturist dabei nur für den Inhalt seiner eigenen Karikatur: Basiert die Arbeit auf korrekten Fakten? Sind die dargestellten Schlussfolgerungen schlüssig? Ist die Aussage klar auf den Punkt gebracht?
Das wars schon.
Als Karikaturist ist man Nutznießer von Meinungs- und Pressefreiheit und von einer freien Demokratie – da scheint es mir schon sinnvoll, diese Freiheiten ab und an auch mal nach dem Ist-Stand abzuklopfen. Ich mache das ganz automatisch, gibt derzeit ja auch genug Bedarf dafür.

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Was macht für dich eine gute Karikatur aus?

Schwarwel: Eine klare Aussage.
Die Meisterschaft besteht natürlich in einer Karikatur, die ohne Text auskommt. Das ist aber bei den meisten Themen sehr schwierig bis unmöglich, da der Karikaturist ja alles von der Themeneinführung über die eigentliche Geschichte bzw. den Konflikt bis zur – bestenfalls lustigen – Pointe in einem einzigen Bild unterbringen muss.
Da kommts dann auf den Kontext an. Chas Addams‘ textlose Cartoons sind zeitlos super, aber sie funktionieren nur, weil die Klischees, mit denen er gearbeitet hat, so sattsam bekannt sind in der Zielgruppe des normalen Bürgers. Mit einem Thema wie TTIP oder der AfD funktioniert das nur mit Symbolen oder Texten, mit denen man an breitem Grundwissen andocken kann.

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Seit sieben Jahren zeichnest du täglich tagesaktuelle politische Karikaturen. Hast du für dich selbst eine Veränderung bei deinen Karikaturen festgestellt? Was hat sich in dieser Zeit für dich bzgl. deinem Karikaturen-Handwerk verändert?

Schwarwel: Man wird professioneller und routinierter mit der Zeit, aber auch abgewichster.
Zu jedem Thema bekäme ich jetzt problemlos irgendwie eine Karikatur zustande, weil ich zu den allermeisten Themen schon mal irgendwann in den letzten Jahren was gemacht habe – aber zum Glück ist da weiter mein Ehrgeiz, eine gute Karikatur zu einem aktuellen Thema zu machen, das mich auch selbst antriggert statt das Prio-1-Thema abzuhandeln, was gerade gute Aussichten auf einen garantierten Abdruck hat.
Nach wie vor ist meine tägliche Karikatur für mich ein Privileg und nicht der ausschließliche Broterwerb. Da sähe die Sache vielleicht anders aus und ich hätte mich schon angeödet abgewendet.

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Nach welchen Kriterien wählst du die Inhalte für deine Karikaturen aus?

Schwarwel: Aufwachen, eine Kippe oder zwei, aufstehen, Hunde rauslassen, Computer an, pissen, Kaffee, Newsseiten checken und dann gucken, was mich dabei anspringt – das geht jeden Tag so und wenn ich Glück habe, hat mich ein Thema gleich auf der ersten Runde und ich kann mit meiner Idee im Kopf ins Studio gehen, um sie nur noch aufzuzeichnen, falls in der Zwischenzeit nichts Weltbewegendes passiert ist.
Meistens hadere ich dann aber doch, wäge ab, finde alles doof und die gute, alte Zweifelhölle verschlingt mich. Da wirds dann doch wieder knapp mit dem Abgabetermin.

Trump, AfD, Le Pen, Wilders: Populismus als Politik

In zwei thematisch ähnlich gelagerten deiner neuesten Karikaturen sieht man einen Karikaturisten, der sich damit beschäftigt, ob er sich nun dem Thema AfD erneut widmen soll oder nicht. Was waren deine Beweggründe, diese beiden Karikaturen zu zeichnen?

Schwarwel: Das sind schlichte Abwandlungen des Inselwitzes, ohne die Insel zeigen zu müssen.
Manchmal ödet mich dieser ganze Driss wirklich an. Man watet täglich bis zum Hals in diesen Niederungen menschlicher Abgründe und will doch seine Augen nicht davor verschließen. Klar mache ich die Karikaturen freiwillig, aber wenn ich es nicht täte, hätte ich trotzdem diese Wut im Bauch. Dann schon lieber kanalisieren durch Zeichnen und Texten – die beiden Karikaturen sind auch eher als Dialog mit dem Betrachter zu verstehen, weil ich darauf hindeuten wollte, dass es mir mit der Politikverdrossenheit und diesen Trumps und Petrys und Le Pens dieser Welt genau so geht wie dem Leser von Zeitungen oder Webseiten: Ich habe es manchmal gründlich satt. Aber ich werde einen Teufel tun, diese Leute tatenlos gewähren zu lassen, ohne weiter auf ihr Handeln aufmerksam zu machen, denn dann hätten sie gewonnen und wir alle verloren – auf lange Sicht selbst diese Typen.

Hassprediger und Heilsbringer: Populismus vergiftet den öffentlichen Diskurs

Ist es nicht manchmal schwierig, sich jeden Tag intensiv dem politischen Weltgeschehen zu widmen und sich damit für deine Arbeit als Karikaturist auseinanderzusetzen? Wie lebt es sich mit dem Stift ganz nah an Trump, Erdogan, Putin, Merkel, Le Pen, Wilders, der AfD, Pegida, IS, Krieg in Syrien, Terror, Flüchtlingskrise …?

Schwarwel: Ein Vorteil an der vorhin erwähnten Abgewichstheit des Routiniers ist natürlich, dass man durch die tägliche Praxis auch einen professionelleren Blick auf die menschliche Tragödie bekommt und sich die eigenen Ohnmachtsgefühle dadurch in Grenzen halten. Man weiß, dass man tatsächlich etwas ändern kann – zum Beispiel die eigene Haltung. Es nutzt ja keinem etwas, wenn ich angesichts der Leiden der Opfer des Krieges in Syrien in Schockstarre verfalle. Es nutzt mehr, gegen die Ursachen von Kriegen anzugehen: durch Aufklärung und einfach dadurch, dass man Leuten, die sich engagieren, durch seine eigene Arbeit den Rücken stärkt und ihnen zeigt, dass sie nicht allein sind mit ihrer Sisyphosarbeit.
Auch wenn ich täglich diese ganzen Figuren aus Politik und Wirtschaft auf meinem Zeichentablet habe, habe ich natürlich nicht die geringste Ahnung, was sie wirklich denken oder was sie antreibt. Ich kann nur ihre sichtbaren Handlungen als Basis nehmen und die Figuren dann in Situationen stellen, die das Unnötige, die Unmenschlichkeit oder die schiere Dummheit dieser Handlungen aufzeigen.
Dabei erhebe ich keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, denn ich kann ja nur meine eigenen Sichtweisen und Schlussfolgerungen abbilden oder die Konsequenzen, die die Aussagen oder Handlungen dieser Personen meiner Meinung nach haben werden.

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Gibt es für dich Tabuthemen für deine Karikaturen? Hast du bei bestimmten Themen eine Schere im Kopf?

Schwarwel: Bei Amokläufen, vermuteten Terroranschlägen, überlauten Schuldzuweisungen oder Kindesmisshandlungen unterdrücke ich meinen Impuls, vorschnell etwas zu Papier zu bringen. Da warte ich lieber erst mal die Entwicklungen, Ermittlungen und Folgemeldungen ab, da mir Wissen ungleich wichtiger erscheint als Information. Als Karikaturist liefere ich einen Kommentar, eine Deutung, eine Option. Ich bin nicht Teil der Newsabteilung, die die Schlagzeile sucht und befeuert.

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Angriffe auf Meinungs- und Pressefreiheit, Säuberungsaktionen, Rechtspopulismus, Wutbürger, Hate Speeches, Fake News, Brexit, America first, derzeitiges Verhältnis zwischen Amerika und der Europäische Union … Siehst du unsere Demokratie, unsere freiheitliche, rechtsstaatliche Grundordnung und den Frieden in Gefahr? Sind diese Entwicklungen deines Erachtens nach bedenklich, machen dir diese Angst? Wie gehst du damit um?

Schwarwel: Freiheit und Demokratie sind in ständiger Gefahr, weil sie ja nur dadurch am Leben und erhalten bleiben, indem sie täglich gelebt und neu verhandelt werden müssen. Das ist natürlich fürchterlich anstrengend, weshalb man sich die Volksvertreter ausgedacht hat, die das eben stellvertretend für uns machen sollen. Der Haken daran ist natürlich, dass Volksvertreter auch über einen eigenen Kopf und ein eigenes Leben verfügen, weshalb sie eine starke Neigung dazu haben, mehr sich selbst zu vertreten statt das Volk, das sie gewählt hat.
Meint: Wir können unsere eigene Verantwortung für das, was um uns geschieht, nicht einfach abgeben und tatenlos ausharren, wenn wir sehen, dass gerade etwas falsch läuft.
Angst machen mir deshalb eher die Tatenlosen, die sich nicht überwinden können oder nicht mal die Untat als solche wahrnehmen wollen, um nicht in ihrem gerechten Schlaf gestört zu werden. Die Angstmacher und die Propheten der Apokalypse hat es ja schon immer gegeben, die sind nicht neu. Die zehren stets von der Angst einer möglichst ungebildeten, meinungslosen, formbaren Masse, der sie einreden wollen, dass es okay ist, wenn man nach acht Stunden Frondienst nur in Ruhe vor der Glotze sein Bier konsumiert, während sich die Angstmacher mal eben um alles kümmern werden.
Nein, ich finde, das ist nicht okay. Und meine Arbeit an den Karikaturen ist für mich ein Weg, diese Haltung für etwas – zum Beispiel für Freiheit und Demokratie – zu artikulieren und eben dieser Freiheit durch die eigene Arbeit auch gleich ein Gesicht zu geben.

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Viele deiner Karikaturen werden auch in Schulbüchern, Unterrichtsmaterialien und wissenschaftlichen Werken verwendet. Wie kann man deines Erachtens die Jugendlichen und SchülerInnen mehr sensibilisieren, sich selbst mit Politik und dem aktuellen Weltgeschehen intensiv auseinanderzusetzen? Ist es notwendig, diese Themen in den Unterricht zu integrieren?

Notwendig meines Erachtens ja, gewollt eher jain. Durch die Verwendung solcher Karikaturen wie den meinen in Schulbüchern und anderen Bildungsmaterialien findet ja bereits eine Heranführung Jugendlicher an Politik und Weltgeschehen und eine Auseinandersetzung mit Politik und Weltgeschehen statt. Staatlich oder vom jeweiligen Bundesland muss das natürlich erst einmal gewollt sein und dann von den oben genannten Volksvertretern auch durchgesetzt werden. Ich glaube, da hat die Bildungspolitik noch Einiges vor sich – sofern das auch dort überhaupt jemand will, weil natürlich die große Gefahr besteht, dass man mündige Bürger heranbildet, die eigenverantwortlich und urteilfähig sind. Sehr gefährlich für jedes Staatswesen, weshalb ich da durchaus skeptisch bin.
Daneben kann man aber auch privatwirtschaftlich vieles machen, was junge Leute auf den Trichter bringt, dass sie selbst die Änderung sein könnten, die sie oder ihre Eltern sich vielleicht wünschen: Wir – also das Studio Glücklicher Montag mit mir – geben zum Beispiel Workshops an Schulen, bei Events oder in Bildungseinrichtungen, wir drucken und vertreiben Bücher, Trickfilme und eben Karikaturen, wir betreiben Webseiten und treiben uns im Social-Media-Bereich herum … und bei all unseren Aktivitäten lassen wir unsere Haltung niemals außen vor, sondern wir zeigen sie als Triebfeder unserer Handlungen. Ich kann nicht Wasser predigen und Wein trinken. Da bin ich ganz bei Heinrich Heine.

Lieben Dank für das Interview

 

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