Film „Rote Beete“ aus „1989 – Lieder unserer Heimat“

Trailer „Leipzig von oben“

Film „Melodie & Rhythmus“ aus „1989 – Lieder unserer Heimat“

Trailer „Herr Alptraum“

Film „Himmlischer Frieden“ aus „1989 – Lieder unserer Heimat“

Trailer „1989 – Unsere Heimat“

Trailer „1813 – Gott mit uns“

Trailer „Schweinevogel – Es lebe der Fortschritt“

Schwarwels Welt

GRAPHIC NOVEL „GEVATTER – STERBEN WILL GELERNT SEIN“ – INTERVIEW MIT SCHWARWEL

gev: Du zeichnest und produzierst Animationsfilme, zeichnest jeden Tag zwei tagespolitische Karikaturen, dazu regelmäßig Illustrationen und Comic-Strips, doch das Erstellen einer eigenen Graphic Novel liegt mit dem zweiten SEELENFRESSER-Album „Glaube“ von 2012 schon ein paar Jahre zurück …
Wie kam es dazu, dass du jetzt mit „Gevatter“ gerade wieder an einer neuen Graphic Novel sitzt?

Graphic Novels sind leider richtig harte Arbeit, die niemand einfach mal nur so nebenbei abliefern kann. Die bisherigen zwei SEELENFRESSER-Alben zu produzieren, war schon ein ziemlicher Kraftakt, da ich diese tatsächlich immer irgendwie zwischen Tür und Angel geschrieben und gezeichnet habe. Trotz ideeller und auch finanzieller Unterstützung stecke ich da momentan im dritten der auf vier Alben angelegten Serie fest, da schon allein die Überwachung der Continuity – also bspw. wer hat wann welche Klamotten an – bei so einem seitenstarken Projekt zum Haareraufen sein kann, wenn man keinen Freiraum hat, um sich voll darauf zu konzentrieren.
Da wir mit Glücklicher Montag seit 2012 unglaublich viele andere, ebenso aufwändige Projekte umgesetzt haben, fiel SEELENFRESSER leider immer hinten runter und kam in die Warteschleife.
Umso mehr freut es mich, dass wir „Gevatter“ als Projekt der FUNUS Stiftung im ganz normalen Studioalltag integrieren konnten und ich beim Schreiben oder Zeichnen nicht ständig darüber nachdenken muss, welche Deadlines anderer Projekte ich gerade gefährde, weil ich mir die Zeit abknapse, um ein paar Panels zu gestalten. Das fühlt sich jetzt sehr gut und richtig an.

gev: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit der FUNUS Stiftung?

Die FUNUS Stiftung kennen wir als Glücklicher Montag und ich schon seit ein paar Jahren. Hervorgegangen ist die Stiftung vor allem aus dem Wunsch ihres Vorsitzenden Frank Pasic – der zwei ganzheitliche Feuerbestattungseinrichtungen leitet – die Bestattungs- und Endlichkeitskultur mit ihren Themen Tod, Trauer, Verlust und Aufarbeitung in Deutschland von gesellschaftlichen Tabus zu lösen und die Beschäftigung mit der Vergänglichkeit wieder ins Zentrum unseres gemeinsamen Lebens zu rücken, wo sie m. E. ja auch hingehört.
Um das zu erreichen, veranstaltet die FUNUS Stiftung jährliche Symposien und gibt u. a. auch das Magazin „Drunter+Drüber“ heraus, für das ich auch ein paar Sachen gemacht habe.
Der Zufall wollte es, dass wir meinen Vater in einer dieser Feuerbestattungseinrichtungen einäschern ließen, noch bevor ich Frank kannte. Dadurch habe ich einen ungetrübten Eindruck davon bekommen, wie dieser aufmerksame Umgang mit der Endlichkeitskultur in der Praxis aussieht, was mich davon überzeugt hat, mich auch mehr in dieser Richtung zu engagieren.
Frank und seine Frau Dina hatten uns als Glücklicher Montag bereits bei bisherigen Projekten wie unseren Trickfilmen „Leipzig von oben – Leben und Sterben in der Stadt“ und „1989 – Lieder unserer Heimat“ tatkräftig und finanziell unterstützt und irgendwann während der Vorplanungen für „Die Stadt der Sterblichen“, den Kunst- und Kulturwochen zur Endlichkeit im September 2019 in Leipzig, kamen wir auch auf meine „Gevatter“-Idee für eine Graphic Novel zu sprechen, die ich spätestens seit „Leipzig von oben“ schon mit mir herumtrug.
Da Frank als eingefleischter Comicfan sofort Feuer und Flamme für die Art der Herangehensweise und geplanten Umsetzung von „Gevatter“ war, stand einer Beauftragung des Projekts durch die FUNUS Stiftung nichts im Wege. Herrlich!

gev: Wann ist die Veröffentlichung geplant und in welchem Rahmen?

„Gevatter“ ist für den Beginn der „Stadt der Sterblichen“ am 6. September geplant, wenn auch die Ausstellung „Death walks behind you – Tod und Sterben in der Rockmusik“ in der Galerie KUB eröffnet wird. Thematisch passt das natürlich wie Arsch auf Eimer, weil es bei beiden Projekten nicht nur um das Sterben an sich, sondern vor allem um die Wirkung, den Ausdruck auf den Menschen in seiner Kunst und in seiner Musik geht. Wie beeinflusst mich die Gewissheit meiner Endlichkeit, wie gehts mir dabei, was mache ich daraus und was kann ich anderen davon mitgeben …

gev: „Gevatter – Sterben will gelernt sein“ ist der Titel.
Um was genau geht es in „Gevatter“?

Wie auch in unseren letzten Trickfilmprojekten greife ich bei „Gevatter“ auf meine eigene Vita zurück, einfach weil ich mich damit am Besten auskenne und hier weiß, was die Protagonisten fühlen, wie sie reagieren und was davon ich in der Graphic Novel erzählen möchte.
Die Geschichte handelt vom Aufwachsen meines Alter Ego Tim und seinem gleichzeitigen Begreifen der eigenen als auch der allumfassenden Endlichkeit – was bei mir persönlich mit sehr viel Angst, Unsicherheit und Irritation verbunden war. Ich möchte die Leser*innen einladen auf eine Berg- und Talfahrt durch meine Ängste und Neurosen als Beispiel dafür, wie mensch eben mit den großen Themen umgeht und sie anzupacken lernt in der Hoffnung, die Rezipienten erkennen etwas davon in sich wieder und bekommen damit vielleicht auch einen klareren Zugang zu ihrer eigenen Vergänglichkeit und dem Wert, den das Leben dadurch bekommt. Vorausgesetzt, sie sind nicht sowieso schon mit sich im Reinen, was ich jedem nur wünschen kann … Depression, Alkohol und Traumata spielen genauso eine Rolle wie das Streben meines Protagonisten nach künstlerischem Ausdruck in Musik, Comics und Kunst, was für mich natürlich untrennbar miteinander verbunden ist.

gev: Wie ist der Aufbau, die Gestaltung und das Design? Arbeitest du wieder mit realistische Figuren und Handlungsorten sowie Bildern, in denen viel Inhalt steckt und passiert – Markenzeichen von dir …?

Graphic Novel klingt immer recht hochgestochen, als Comiczeichner habe ich mit der Begrifflichkeit natürlich irgendwie ein Problem. Für „Gevatter“ habe ich mich deshalb an den beiden Werken orientiert, die den Begriff allgemein definiert haben: Will Eisners „A Contract with God“ und Alan Moores und Dave Gibbons „Watchmen“. Bei Eisner finde ich die auf Natürlichkeit angelegte Dialogführung ganz großartig, weil sie sich real anfühlt, und von „Watchmen“ habe ich die strenge Einzelbildeinteilung übernommen, die auf einem klaren Neun-Bilder-pro-Seite-Raster, Drei-Bilder-Pro-Zeile beruht. Mit dieser Einteilung komme ich wunderbar klar, weil sie ein rhythmisches Erzählen gestattet, das mir sehr entgegenkommt. Größere Bilder wie Establishing Shots kann man dramaturgisch gut eintakten, ohne dass es nach alberner Superhelden-Action aussieht und Rückblenden kann ich einfach mit gewellten Panelframes ausdrücken.
Stilistisch orientiere ich mich bei dieser Schwarz-Weiß-Geschichte natürlich an Vorbildern wie Charles Burns, Mike Mignola, Frank Miller oder Daniel Clowes – kontrastreiche, solide Bilder, in denen die feinen Linien der realistisch angelegten Figuren nicht zu kurz kommen – was sicher wie ein Haufen Arbeit klingt. Ist es auch. Und es macht sehr große Freude beim Zeichnen.

gev: Ab 1. Juni gibt es auf Facebook regelmäßig Updates und News zu „Gevatter“.
Was genau erwartet den geneigten Leser?

Mal sehen. Da ich mit gelecktem Marketing nicht so gut kann, werde ich auch hier versuchen, möglichst authentisch zu bleiben und mir auch mal in die Karten gucken zu lassen, obwohl mir das natürlich schwer fällt, da ich ganz gerne die Sachen bis zur Druckreife bringe, bevor ich sie herzeigen will. Aber genau das zu unterwandern, ist hier auch die Aufgabe.

Ganz lieben Dank für das Interview
– Sandra

Be Sociable, Share!

Comments are closed.